Fragen Sie Frau Mau

Frau Mau deckt auf

„Geiz ist geil“ oder „auf Papieren kann man nicht reiten“

Seit Jahren gibt es sie schon, und seit der Ära der sozialen Netzwerke und online-Kleinanzeigenportalen werden es täglich mehr….die sogenannten „Vermittler“ oder auch „Zwischenhändler“ die begehrte Pferderassen, meist Friesen und ihre Kreuzungsprodukte, zu extrem niedrigen Preisen anbieten. Die Pferde, meist Absatzfohlen, kosten in der Regel weit unter 1000 Euro, mit etwas Glück bekommt man dort auch ältere Pferde die nur unwesentlich mehr kosten und gemäß der Verkaufsanzeigen „reitbar“ sein sollen, wie auch immer der Verkäufer „reitbar“ definieren mag.

Die Klienten, die auf diese Verkaufsanzeigen anspringen, sind meist Anfänger was das Wissen über Pferdezucht, -aufzucht und -haltung angeht.

Ganz gewiss ist aber daß diese Käuferschicht keinerlei Wissen oder seriöse Informationen über die Zucht, Aufzucht und den Kauf eines Friesenpferdes aufweisen kann.

Meist dauert es aber nicht lange und die ersten „Problempferde“ tauchen in den einschlägigen Foren/Gruppen und Communities auf…

-Hilfe mein Friese hat ständig Koliken, ist verwurmt und nimmt nicht zu, er kommt aus „schlechter Haltung“

-Hilfe ich finde keinen Sattel für meinen Friesen da der den so starken rassetypischen Senkrücken hat…

dies sind nur zwei Beispiele von vielen. Und leider gibt es oftmals nach dem Kauf sehr viel schwerwiegendere Probleme als lediglich krumme Rücken oder Verdauungsprobleme.

Wo kommen nun diese so preiswerten Billigangebote her? Von diversen versehentlichen Weideunfällen oder privaten Zuchtversuchen mit nicht gekörten und nicht eingetragenen Pferden mal abgesehen, steckt hinter diesen Anzeigen oftmals ein System.

Es gibt Höfe, auf denen bis zu 300-400 solcher Pferde „produziert“ werden. Auf großen Flächen werden die Pferde den Sommer über „artgerecht“ gehalten, den Winter müssen sie in Ställen zusammengepfercht auf engem Raum überstehen. „Zucht“ betreibt man, in dem man Hengste in den Stutenherden laufen lässt, die dort ihre Dienste tun, die Fohlen werden frei draußen geboren und man läßt der Natur ihren Lauf. Dazu gehört dann auch dass in den großen Gruppen auch mal einige Tage tote Fohlen liegen, oder auch Pferde mit unbehandelten Verletzungen herumlaufen. Ebenso interessiert sich niemand dafür ob die Pferde genetisch eng miteinander verwandt sind, und es ist auch keine Seltenheit daß diese Hengste mit ihren eigenen Töchtern Fohlen zeugen.

Was soll´s, auf Papieren kann man schließlich nicht reiten…

Bei den Preisen zu denen diese Pferde angeboten werden, habe ich meine ernsthaften Zweifel ob dort Impfungen oder auch die dringend notwendigen Wurmkuren durchgeführt werden.

Fotos die man dann hier oder dort mal zu sehen bekommt, sprechen eine deutliche Sprache.
Und dann kommen sie, die „Retter“ und wohlmeinenden „Tierschützer“ die diese Pferde, meist in sozialen Netzwerken oder online-Kleinanzeigenportalen anbieten, gegen einen etwas höheren Preis, denn als Retter möchte man ja auch etwas verdienen….aber immer noch günstig genug, daß kein seriöser Züchter bei dieser Art von Preisgestaltung mithalten kann.

Und es klingt doch alles so gut. Die Pferde sind schließlich, auch wenn sie kein Papier haben, gechipt und haben einen Equidenpass, das muß doch gut sein! Nun, ohne Chip und Equidenpass darf heutzutage EU-weit kein Pferd mehr verkauft oder transportiert werden, sprich, selbst der übelste Geizkragen muß zumindest einmal in seinem Leben in die Tasche greifen und die notwendige Kennzeichnung seiner Pferde vornehmen lassen. Das ist also kein Beweis für Seriosität oder gar Qualität.

Korrekte Friesenpferdezucht ist sehr viel mehr ,als schwarze Pferde zu produzieren. Die Friesenpferdezucht im KFPS basiert auf jahrhundertealter Tradition und ausgesprochen strenger Selektion innerhalb der Rasse. Dieser Selektion verdanken wir die Tatsache, daß diese wunderbare Pferderasse, welche bereits zweimal vom Aussterben bedroht war, bis heute erhalten werden konnte.

Aufgrund der Tatsache daß keine Fremdrassen eingekreuzt werden dürfen, bedarf es in der Friesenpferdezucht bedingt durch Inzucht und einen hohen Verwandtschaftsgrad innerhalb der Rasse einer besonderen Verantwortung um durch gezielte Anpaarungen Verbesserungen zu erzielen, und auch um die Verbreitung genetischer Abweichungen zu vermeiden.

Dies kann aber nur gelingen, wenn geeignete Stuten mit den passenden Hengsten angepaart werden, und der Züchter die Eigenschaften und auch die Abstammung der betreffenden Pferde kennt.

Bis zur Geburt des Fohlens und des späteren Absetzens ist es noch ein langer Weg in der die Mutterstute und später das Fohlen sorgfältig betreut und versorgt werden müssen.

Daß ein solches Zuchtprodukt dann nicht im Internet auf diversen Plattformen „mit Wühltischcharakter“ angeboten werden kann, dürfte jedem klar sein.

Aber jetzt sind da doch die „Retter“ und die „Tierschützer“ die diese Pferde anbieten, und aus schlechter Haltung retten…und so viele Menschen, die helfen möchten, und Hand aufs Herz, wer möchte das nicht?

Nur, wie seriös sind diese Pferderettungen wirklich? Ein Tierschützer, der diesen Pferden nachhaltig helfen möchte, würde alles in Bewegung setzen um diese unwürdigen Haltungsbedingungen zu beenden. Das passiert hier aber nicht, und das aus gutem Grund.

Dieses System funktioniert seit Jahren so und es liegt die Vermutung nahe, daß die zahlreichen Vermittler und Zwischenhändler ganz bewußt mit dem Elend der Pferde Geld verdienen, denn sonst würde es diese Angebote nicht schon so lange geben, und es würden nicht jahrelang Unmengen dieser Pferde „nachproduziert“ werden. Ein lohnendes Geschäft für beide Seiten, dem „Züchter“ der mit geringstmöglichem finanziellen Einsatz Nachschub produziert, und für den Vermittler, der die Pferde als vermeintliche „Privatperson“ inseriert und den frei gestalteten Preisaufschlag in die eigene Tasche steckt.

Tierschutz und pferdegerechte Zucht und Aufzucht fängt bei Züchtern an, die mit Liebe und Sachverstand durchdachte Anpaarungen vornehmen, Stuten und Fohlen umsorgen und betreuen, und für die artgerechte Pferdehaltung und ebenso die tierärztliche Betreuung und Vorsorge seiner Pferde selbstverständlich sind.

Als Züchter habe ich Verantwortung für das neue Lebewesen, welches durch mein Zutun das Licht der Welt erblickt. Ich für meinen Teil bin verantwortlich dass mein Pferd durch vernünftige Aufzucht und Haltung gesund aufwachsen kann, und es liegt in meiner Hand, im Fall des Verkaufs Menschen zu finden, die sich dieser Verantwortung ebenfalls bewußt sind.

Und kein Züchter dem das Wohl seiner Tiere am Herzen liegt, wird diese über Internetplattformen mit Wühltischcharakter anbieten lassen.

Deshalb, in diesem Sinne: Augen auf vor dem Friesenkauf!!! Und immer „Glück im Stall“

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